Das Märchen vom armen Doktor
Es war einmal eine armer Doktor in einem Forschungslabor, der über eine ganz langweilige Krankheit forschte. Er fand heraus, das diese Krankheit durchschnittlich 0,83% der
Bevölkerung haben.
Der arme Doktor hatte auch ein Buch über diese Krankheit geschrieben, aber niemand kaufte
das Buch und so blieb er arm.
Eines Tages hatte er eine Idee! Er begann die Orte in Deutschland darauf
zu untersuchen, wieoft diese Krankheit in den verschiedenen Orten vorkam.
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Das Vorgehen des Arztes können Sie mit einem Computerprogramm simulieren. Laden Sie sich
dazu das Programm hier herunter. Rufen Sie "wahr1.exe" auf, wählen Sie
"Glücksrad", stellen sie den roten Sektor auf "3 Grad" und
"1000 Versuche". Jedesmal, wenn Sie auf
"Simulation" klicken, werden 1000 Versuche durchgeführt.
Durch wiederholtes Anklicken von "Simulation"
In der Spalte "simuliert" kann man sehr schön sehen, wie mal mehr und mal
weniger als 0,83% erzielt werden. Wenn man lange genug herumspielt, wird man
feststellen, dass auch große Abweichungen (nach oben und unten) auftreten!

Im obigen Beispiel wurde zufällig sogar in 1,70% ein Treffer erzielt. Das ist mehr als
das Doppelte als erwartet.
Man muss nur lange genug versuchen, um eine erhebliche Abweichung vom erwarteten Wert zu
erhalten.
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Der arme Doktor untersuchte also Ort um Ort. Schließlich wurde er fündig! In einem Ort
waren (zufällig) 1,70% der Bevölkerung an dieser Krankheit erkrankt.
Schnell schrieb der arme Doktor eine Presseerklärung an die örtliche Lokalzeitung:
Krankheitsrate mehr als doppelt so hoch!
titelte die Zeitung! Bald erschien ein Interview mit unserem armen Doktor in der Zeitung.
Man begann die Ursachenforschung! Ist es der örtliche Schweinemastbetrieb, die Nähe zur
Autobahn, oder die Luftstraße in 10000m Höhe?
Bald wurden auch andere Orte aufmerksam! Man stellte fest, dass an manchen Orten die
Krankheitsrate um 19,5%, 27,2% oder gar 39,7% erhöht war! In etwa der Hälfte der Orte
war die Krankheitsrate erhöht! Unerhört!
Als in einem Ort der örtliche Bürgermeister die Vermutung äußerte, es könne sich um
zufällige Schwankungen handeln, wurde ihm von der Opposition vorgeworfen, er nehme die
Sorgen und Ängste der
Bevölkerung nicht ernst und er musste später zurücktreten.
Jedenfalls erhielt unser armer Doktor einen vom Steuerzahler finanzierten
Forschungsauftrag in Millionenhöhe, er wurde zu vielen Vorträgen, Expertenhearings und
Talkshows eingeladen, seine Bücher verkauften sich glänzend und er schrieb gleich noch
viele Ratgeber dazu.
Unser ehemals armer Doktor war zufrieden! Denn mit der Dummheit der Menschen kann
man immer noch das meiste Geld machen.
Und manchmal nützt es ja doch 'was, wenn man in der Schule in Wahrscheinlichkeitsrechnung aufgepasst hat...
© Scholz 2009 http://mathematik.h8d.de Zur Hauptseite Zur Diskussionsgruppe
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Letzte Änderung: 09-12-02