Übung macht den Meister (Volksmund)
Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt (Volksmund)
Erfolgreiche Menschen sind erfolgreich, weil sie das tun, was andere Menschen nicht tun. (Henry Ford)
If A equals success, then the formula is A equals X plus Y plus Z. X is work. Y is play. Z is keep your mouth shut. (Albert Einstein)

WIE lerne ich Mathematik?

HINWEIS: Mit diesen Tipps werden Sie nicht Mathe-Prof, aber Sie schaffen das Fachabtur in Mathematik mit guten Noten.

Verstehen und Üben

Viele Schüler sagen: "Im Unterricht hab' ich's verstanden, aber in der Prüfung hab' ich's trotzdem nicht gekonnt!"

Es ist sicher hilfreich den Stoff zu verstehen, aber bei weitem nicht ausreichend: Als studierter Physiker verstehe ich auch sehr gut wie ein Klavier funktioniert: Wie die Schwingungen, Töne und Obertöne entstehen, welche Taste ich drücken muss, damit ein bestimmter Ton entsteht ... Kann ich deshalb Klavier spielen? Leider nein.
Klavier spielen lernt man durch Üben.

Dies gilt für alle Tätigkeiten: Ein Sportler muss trainieren, täglich! Selbst mittelmäßige Sportler trainieren täglich, Spitzensportler sogar täglich 8 Stunden ...

Schwimmen lernt man, indem man zunächst erklärt oder gezeigt bekommt, wie man schwimmt, dann steigt man ins Wasser und versucht zu schwimmen, geht unter, korrigiert seine Fehler, versucht es erneut, schluckt Wasser, macht es besser, lernt seine Angst zu überwinden, ...
Irgendwann kann man schwimmen. Man hat etwas gelernt, hat Erfolg und ist motiviert, vielleicht noch besser zu schwimmen...

Das Wichtigste ist die Übung! Übung macht den Meister! Aber es kommt auch darauf an, richtig zu üben!

Richtig üben

Nicht anders in der Schule: Zunächst wird der Lehrstoff erklärt. Danach schließt sich eine Übungsphase an.

Leider reicht die im Unterricht vorhandene Zeit meistens nicht aus, um den Stoff so zu üben, dass man ihn beherrscht. Außerdem lernt der eine schneller, der andere langsamer. Also muss ein Schüler zu Hause weiter üben:

So sollten Sie vorgehen:

Schaffen Sie sich zunächst eine angenehme Arbeitsumgebung!

Denken Sie positiv!
Zur angenehmen Arbeitsumgebung gehört auch eine positive Arbeitshaltung. Beim Lernen speichert unser Gehirn nicht nur den Lernstoff, sondern auch die vorhandenen Gefühle.
Negative Gefühle hemmen die Erinnerung, weil die "gelernten" Gefühle beim Erinnern wieder zutage treten. Wer errinnert sich schon gerne an Negatives. In extremen Fällen (wie z.B. ein Mißbrauch) kann das Erinnern sogar völlig unmöglich sein.
Aber an etwas Schönes denkt man sich oft und gerne.

Wer ständig auf die "Scheiß—Mathe" schimpft, braucht sich nicht zu wundern, wenn er alles "vergisst"!

Das gilt auch für die Eltern und Medien: Ständige Kritik am Lehrer, am Unterricht, an der Schule erzeugen eine negative Stimmung. PISA ist auch eine selbsterfüllende Prophezeiung!

Es ist sicher kein Zufall, dass in Finnland, das bei PISA gut abgeschnitten hat, auch die Lehrer ein hohes Ansehen genießen. Denn ein Kind wird von Lehrern nichts annehmen können, wenn es ständig zu hören und lesen bekommt, was Lehrer doch für Flaschen sind. Niemand geht zu einem Vortrag oder einem Volkshochschulkurs, wenn er der Meinung ist, der Referent ist schlecht!

Leider gehört es in Deutschland — im Gegensatz zu anderen Ländern, wie z.B. Frankreich — zum "guten" Ton zu sagen, dass man in Mathe eine Niete war. (siehe dazu auch: Jetzt wird abgerechnet...) Niemand würde das vom Fach Deutsch zugeben. Da die öffentliche Meinung ganz wesentlich von Journalisten bestimmt wird und diese, — sonst hätten Sie wohl 'was anderes gelernt — in Mathe wahrscheinlich tatsächlich Nieten waren, wird hier ein sehr schiefes, unzutreffendes Bild gezeichnet.

Stellen Sie sich vor, Sie sind Fußballtrainer und Ihre Mannschaft hat ein schweres Spiel vor sich! Was sagen Sie der Mannschaft: "Das schafft Ihr sowieso nicht, Ihr Nieten!" oder sagen Sie "Los, versucht es, es wird schwer, aber Ihr könnt es schaffen!"

Also, seien Sie Ihr eigener Trainer und motivieren Sie sich selbst:
Bereiten Sie alle Mathestunden nach!
(siehe dazu: Flussdiagramm am Ende)

Beginnen Sie nicht sofort mit den gestellten Hausaufgaben, sondern arbeiten Sie sich zuerst durch den im Unterricht behandelten Stoff durch.: Durcharbeiten heißt, Zeile für Zeile, ja sogar Zeichen für Zeichen zu lesen:
Wenn Sie etwas nicht verstehen:
  • Versuchen Sie zunächst selbstständig, das entstandene Problem zu lösen. Wichtig: Es ist schlecht, sofort zu fragen, wenn etwas unklar ist. Versuchen Sie erst mal das Problem genau zu erfassen und selbstständig zu lösen! Erst wenn Sie wirklich nicht weiterkommen, fragen Sie.
  • Nehmen Sie einfachere Zahlen!
  • Zeichnen Sie einen Graphen!
  • Sehen Sie in anderen Büchern nach!
  • Fragen Sie nicht gleich jemand anders. Es ist natürlich bequem zu fragen und sich die Lösung sagen zu lassen, anstatt das eigene Hirn anzustrengen. Denken Sie nach!
  • Denken Sie noch mehr nach!
  • Erst wenn das alles nichts hilft, fragen Sie jemand anderen — den Mathematiklehrer oder auch einen Mitschüler, den Nachhilfeelehrer.
  • Fragen Sie nicht einfach: "Die Aufgabe 2 habe ich nicht verstanden!", sondern präzise: "In Aufgabe 2, Zeile 3 verstehe ich nicht die Umformung des Nenners!" oder "Ich verstehe nicht, wie man auf den Ansatz in der 1.Zeile kommt!"
  • Formulieren Sie dazu schriftlich eine Frage auf einem gelben Klebezettel (Post-it, etc.) Notieren Sie genau in welcher Seite, bei welcher Aufgabe, in welcher Zeile, bei welchem Zeichen das Problem auftaucht. Diese Frage stellen Sie dann am Anfang der nächsten Unterrichtsstunde. Schriftliche Formulierung ist deshalb wichtig, weil Sie dazu gezwungen werden, das Problem genau zu analysieren. Sie werden feststellen, dass Sie schon dadurch oft allein auf die Lösung kommen.
  • Wenn Sie feststellen, dass Ihnen hier Grund- oder Vorkenntnisse fehlen, notieren Sie das auf einem Erledigungszettel. Bei Gelegenheit — wie unten unter "Üben und wiederholen Sie!" beschrieben — suchen Sie sich in einem Wiederholungs- oder Übungsbuch das entsprechende Thema heraus und arbeiten es durch bis Sie es beherrschen.
  • Gehen Sie zur nächsten Aufgabe, wenn Sie partout nicht mehr weiterkommen!
Wenn Sie eine Aufgabe verstanden haben:
  • Decken sie die Lösung zu und lösen genau diese Aufgabe — ohne nachzuschauen — selbstständig.
  • Lösen Sie die Aufgabe so, wie Sie es in einer Prüfung tun sollten:
    • Arbeiten Sie übersichtlich, ordentlich, konzentriert.
    • Achten Sie auch auf die Formalien: Mathematisch korrekte Darstellung, Aufgabenbezeichnung auf den Rand, Strich nach jeder Aufgabe, Zeichnungen farbig, etc.
    • Stellen Sie sich vor, Sie seien in der Prüfung: Damit üben Sie gleichzeitig mit der Prüfungssituation fertig zu werden.
  • Dann vergleichen Sie, ob Ihre Lösung genau mit der Lösung aus dem Unterricht übereinstimmt — nicht nur das Ergebnis.
    • Fragen Sie sich bei Abweichungen, ob das wirklich dasselbe ist.
    • Achten Sie auf die formale Schreibweise!
    • Erst wenn Sie die Aufgabe wirklich völlig selbstständig und völlig richtig gelöst haben, dann gehen Sie zur nächsten Aufgabe.
Dies machen Sie so mit dem gesamten, im Unterricht behandelten Stoff.

Dann erst erledigen Sie die gestellten Hausaufgaben!
Üben und wiederholen Sie!
Nehmen Sie sich regelmäßig Aufgaben aus dem Unterricht, frühere Hausaufgaben und Übungsaufgaben (z.B. Aufgaben von nicht mehr gekonntem Grundwissen) vor, die sie schon vor längerer Zeit, mindestens vor mehr als 2 Tagen gelöst haben. Die Zeitspanne ist wichtig, weil Sie die Aufgaben nicht auswendig hinschreiben, sondern nachdenken sollen. Versuchen Sie eine Aufgabe erneut zu lösen:

Auf diese Weise arbeiten Sie sich Aufgabe für Aufgabe vor. Das Ergebnis wird sein, dass Sie die meisten Aufgaben nicht völlig selbstständig oder teilweise falsch gemacht oder in der Lösung nachgesehen haben. Die Zahl der Minuszeichen wird die Zahl der Pluszeichen bei weitem übersteigen.

Wenn alle Aufgaben, die bis zu diesem Zeitpunkt aufgelaufen sind, ein Minus- oder Pluszeichen tragen, beginnen Sie wieder bei der 1. Aufgabe mit einem Minuszeichen. Bei jedem Durchgang wird sich die Zahl der Minuszeichen verringern, die Zahl der Pluszeichen steigen, sie werden merken, dass sie immer besser werden. Das wird Ihnen auch Selbstvertrauen geben. Wenn Sie sehen, dass Ihnen Grundkenntnisse fehlen und diese — beispielsweise mit einem der empfohlenen Bücher — erwerben, werden Sie auch immer schneller werden, den neuen Lehrstoff werden Sie schneller kapieren und sie werden weniger Fehler machen.

Dieselbe Seite in einem Übungsbuch nach zum Beispiel 2, 5, 11, 13 Tagen könnte dann beispielsweise so aussehen:
 
Nach der 1.Übung Nach der 2.Übung Nach der 3.Übung Nach der 5.Übung
Erfolg! Alle Aufgaben selbstständig, richtig gelöst!
Diese Methode hat den Vorteil, dass sie ständig das Wiederholen und Üben, das Sie nicht können.

Lernen Sie mäßig, aber regelmäßig!

Schlussbemerkung

Wahrscheinlich werden Sie sagen: "Das dauert doch viel zu lange, soviel Zeit hab' ich doch garnicht".
Doch — Sie haben Zeit! Sie müssen nur sofort anfangen und regelmäßig, also täglich arbeiten.
Nach einigen Monaten werden Sie weniger Zeit für das Fach benötigen und gleichzeitig bessere Leistungen erbringen als vorher. Das wird sie motivieren, so weiter zu machen.


 


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Letzte Änderung: 09-12-02